Threesome begrüßt ab jetzt die EUREF-Community und deren Gäste

Von Anfang an richtete EUREF-Chef Reinhard Müller sein Augenmerk auch auf die Kunst auf dem Campus. Zahlreiche Gemälde und Skulpturen sind bereits zu bewundern. Seit dem 14. Juni begrüßt die Beschäftigten und die Gäste an der Zufahrt Torgauer Straße eine sechs Meter hohe, zwei Tonnen schwere, aus drei Millimeter feinstem Stahl und aus drei Teilen bestehende Skulptur. Der in den Niederlanden lebende Künstler Ewerdt Hilgemann reiste mit seiner Frau, der Galeristen Antoinette de Stigter, extra nach Berlin, um die Aufstellung der Skulptur „Threesome“ zu überwachen.

Die Geschichte, die dahintersteckt, ist spannend. 1996 lernte Reinhard Müller Ewerdt Hilgemann und Antoinette de Stigter kennen und ist seitdem mit ihnen befreundet. Das Park Avenue Skulpturen-Komitee von New York City lud Hilgemann ein, 2014 sieben Skulpturen, die aus 13 Einzelwerken bestanden, auf dem Pracht-Boulevard für drei Monate auszustellen. Während dieser Zeit befand sich Müller zu einem Besuch im Big Apple.

Er sah „Threesome“ auf dem Mittelstreifen der Park Avenue, griff zum Telefon, rief Hilgemann an und kaufte ihm das Werk ab. Bevor die Skulptur in Berlin ankam, unternahm sie noch eine kleine Weltreise. Allein der Transport war ein Abenteuer. Zwei Tieflader rückten am 14. Juni an, um die Skulptur zum EUREF-Campus zu bringen, auf dem bereits seit längerem eine andere steht.

Hilgemann beschäftigte sich sein halbes Leben damit, wie man Materie mit einfachen Mitteln verformen kann. Dazu wendete er Techniken an, die auch jedem Jugendlichen viel Spaß bereitet hätten. Er setzte Schwarzpulver ein und brachte große Steinbrocken zur Explosion oder warf Quader von Hochhäusern beziehungsweise ließ sie einen Berg runterrollen. Seine Edelstahl-Cubes dürften aber wohl die bekanntesten Werke sein, stehen sie doch in der ganzen Welt. So zum Beispiel auch seit 20 Jahren vor dem Gebäude der Investitionsbank Berlin an der Bundesallee.

Wie aber kommen die Falten in die Stahlkörper. Zuerst werden die Seiten, Ober- und Unterteile mit einer besonderen Lasertechnik zusammengeschweißt und luftdicht gemacht. An einer Stelle wird ein Ventil eingebaut und die Luft abgesaugt. Es dauert rund 90 Minuten bis zum Vakuum. Zwischenzeitlich bilden sich, wie von Geisterhand die Falten. Bis ins letzte Detail ist die spätere Form nicht vorhersehbar, jedoch hat Hilgemann langjährige Erfahrungen, um erkennen zu können, wie sich der Cube entwickelt.

Der 83-Jährige denkt nicht daran aufzuhören. Gleich anschließend reiste er nach Thüringen, um dort ein neues Projekt zu starten, ein Cube, den er diagonal durchschneidet und damit begehbar macht. Das begeisternde Funkeln in seinen Augen zeigt, dass wir noch viel von ihm zu erwarten haben. Auch für Reinhard Müller ist der Kunststandort EUREF-Campus noch nicht vollendet. Er will hier einen Ort schaffen, an dem sich junge und etablierte Künstler präsentieren können. Führungen, bei denen die Arbeiten erklärt werden, sind in Planung.

Redaktion: Ed Koch