EUREF-Campus

EUREF steht für das „Europäische Energieforum“ und für die Idee, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik an einem Ort zusammenzubringen, um die Energiewende voranzutreiben. Auf dem EUREF-Campus Berlin arbeiten, forschen und lernen rund 7.000 Menschen in über 150 Unternehmen, Institutionen und Start-ups – kooperativ, offen und gemeinsam.

Seit dem Erwerb des Geländes im Jahr 2007 entwickelte die EUREF AG das Gelände rund um den Gasometer Schöneberg zu einem Reallabor der Energiewende. Bezogen auf die thermische Energieversorgung erfüllt der EUREF-Campus Berlin die CO2-Klimaziele der deutschen Bundesregierung für 2045 bereits seit 2014. Jährlich besuchen mehr als 70.000 Menschen den EUREF-Campus und informieren sich hier über Lösungen rund um Energie, Mobilität, Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Mit Veranstaltungen, Führungen und Unternehmensbesuchen sowie informativen Projekten wie der EUREF-Energiewerkstatt gibt es auf dem Campus viele Möglichkeiten, sich mit Fragen zur Energiewende auseinanderzusetzen und verschiedene Ansätze und Technologien kennenzulernen.

Energie und Mobilität

100 %

des Wärmebedarfs des EUREF-Campus werden über die eigene Energiezentrale gedeckt

2.500 Meter

unterirdisch verlegte Fernwärmerohre

2.400 Megawattstunden

Strom erzeugt das BHKW in der EUREF-Energiewerkstatt

Die Energieversorgung auf dem EUREF-Campus ist darauf ausgerichtet, möglichst wenig CO₂-Emissionen zu verursachen. Dafür kommen unter anderem regenerative Energieträger und Energiespeicher zum Einsatz. Energieeffiziente Gebäude sowie die Vernetzung von Energie- und Gebäudetechnik sind weitere Bestandteile des Energiekonzepts.

Der EUREF-Campus bietet den Raum, Anwendungen und Technologien für die Energiewende zu entwickeln und unter realen Bedingungen zu testen. Dazu gehören unter anderem Anwendungen aus den Bereichen Elektromobilität und Sharing. Im Rahmen verschiedener Projekte wurde auch das autonome Fahren bereits auf dem Campus erprobt.

Die GASAG Solution Plus GmbH betreibt die EUREF-Energiewerkstatt, in der 100 Prozent des Wärmebedarfs vor Ort erzeugt wird.

Zentrales Element der Energiewerkstatt ist ein Biomethan-Blockheizkraftwerk. Durch die Verbrennung von Biomethan wird ein Generator zur Stromerzeugung angetrieben. Der Strom wird direkt in das Berliner Stromnetz eingespeist. Die dabei entstehende Abwärme wird dazu genutzt, Wasser zu erhitzen. Auf dem EUREF-Campus wird dieses Warmwasser zum Beheizen der Büros genutzt. Das Wärmeverteilnetz umfasst rund 2,5 Kilometer unterirdisch verlegte Leitungen. Das Wasser wird dabei mit einer Vorlauftemperatur von bis zu 90 Grad Celsius zu den Gebäuden transportiert.

Zusammen mit zwei kleineren Blockheizkraftwerken, die Strom für den Betrieb der Energiezentrale und der zeemobase produzieren, wird ein Großteil des Wärmebedarfs auf dem EUREF-Campus gedeckt. Wird an sehr kalten Tagen zusätzliche Heizenergie benötigt, stehen zwei Niedertemperatur-Gaskessel zur Verfügung, um die Spitzenlasten abzudecken. Zugleich wird in der Energiezentrale Kälte für die Klimatisierung der zahlreichen Serverräume sowie der Büros produziert.

Gesteuert wird die Energiezentrale von dem sogenannten Eco-Tool, einem digitalen Energiemanagementsystem, das auch mit künstlicher Intelligenz arbeitet. Rund 1.000 Datenpunkte liefern Informationen zum Energieverbrauch in der Energiewerkstatt und den Gebäuden. Auch Wettervorhersagen und Energiemarktdaten fließen in die Berechnungen ein.

Wird an sonnen- oder windreichen Tagen in Solarparks oder durch Windkraftanlagen zu viel Strom produziert, wird das in der Energiezentrale registriert. Mithilfe der Power-to-Heat-/Power-to-Cold-Technologie kann erneuerbare Energie in der Energiezentrale gespeichert werden. Überschüssiger Strom wird dann zum Erhitzen oder zum Kühlen von Wasser verwendet und in zwei stark isolierten Wassertanks für die spätere Nutzung gespeichert. Dieses Speichersystem war Teil des Forschungsprojekts WindNODE, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wurde.

Zusätzlich wird auf dem Campus eine 1,9 MWh große Second-Use-Batterie betrieben. 20 ausrangierte Batterien aus Audi e-tron-Testfahrzeugen sind hier zu einem großen stationären Batteriespeicher zusammengeschaltet. Der Speicher dient als Testumgebung für die Nutzung gebrauchter Fahrzeugbatterien und kann zur Stabilisierung des Stromnetzes auf dem Campus beitragen.

Sie können die EUREF-Energiewerkstatt by GASAG Solution Plus in einem geführten Rundgang besichtigen und Einblicke in die Energieerzeugung, -verteilung und -speicherung auf dem EUREF-Campus erhalten. Weitere Infos: energiewende-erleben.de

Die zeemobase steht für Zero Emission Energy and Mobility Base und ist der Ort auf dem Campus, an dem Energie und Mobilität zusammenlaufen und sowohl physisch als auch digital vernetzt werden.

Technisch gesehen ist die zeemobase ein „Micro Smart Grid“. Dabei werden Energieerzeuger, Verbraucher und Speicher innerhalb eines räumlich abgegrenzten Bereichs miteinander verbunden und gesteuert. Energie kann vor Ort erzeugt, gespeichert und für verschiedene Anwendungen, unter anderem für Elektromobilität, bereitgestellt werden. Das Netzmanagement berücksichtigt dabei das jeweils verfügbare Energieangebot und den aktuellen Energiebedarf. Es besteht weiterhin Anschluss zum öffentlichen Stromnetz. Ziel ist es, das öffentliche Netz durch planbare Energieflüsse zu entlasten und den Anteil erneuerbarer Energien zu steigern.

Über 20 Elektroladeplätze an der zeemobase sind an das Micro Smart Grid angeschlossen, darunter sowohl AC-Ladestationen mit bis zu 22 kW als auch DC-Ladestationen mit bis zu 50 kW.

Das Micro Smart Grid wird von inno2Grid und Schneider Electric betrieben. Mit einem Partnernetzwerk werden an der zeemobase Anwendungen und Technologien für die Verbindung von Energie und Mobilität entwickelt, erprobt und in die Realität umgesetzt. Die zeemobase dient zudem als Showroom, der Funktionsweisen und Anwendungsmöglichkeiten eines Micro Smart Grids sowie die Verbindung von Energieversorgung und Elektromobilität veranschaulicht.

Die denkmalgeschützten Bauten des berühmten Architekten Alfred Messel, der unter anderem das Berliner Pergamonmuseum plante, werden auf dem Campus auf besondere Weise in Szene gesetzt und prägen den Charakter des Geländes. Moderne energieeffiziente Gebäude stehen den denkmalgeschützten Klinker- und Backsteinbauten des ehemaligen Gaswerks Schöneberg gegenüber oder werden gekonnt mit diesen verbunden.

Die historischen Gebäude wurden unter den Aspekten des Denkmalschutzes, des Denkmalrechts und der Energieeffizienz saniert. Sämtliche Neubauten sind in die bestehenden Strukturen des Campusgeländes integriert. Planungsgrundlage sind die höchsten energetischen Gebäudestandards, wie beispielsweise der Effizienzhausstandard „Effizienzgebäude 55“. Ein automatisiertes Energielastmanagement und innovative und energieeffiziente Gebäudetechnologien helfen bei der Reduzierung des Energieverbrauches. Dazu gehören auch Monitoringsysteme von Schneider Electric. Alle Gebäude sind per „Smart Metering“ an das lokale Energienetz angeschlossen, das den Verbrauch zentral misst und steuert.

Viele der Gebäude verfügen außerdem über energiesparende Dämmstoffe, dreifach verglaste Fenster mit integriertem Sonnenschutz und intelligente Fassaden. Die Bürobeleuchtung wird nach Anwesenheit und Tageslicht automatisch geregelt. Bei der Auswahl der Materialien wurde auf eine möglichst hohe Gesundheits- und Umweltverträglichkeit geachtet.

Im Innenbereich, der durch Schranken geschützt ist, sind nur Elektrofahrzeuge, Golf-Carts, Taxis, Fahrräder, Fußgänger und Einsatzfahrzeuge zugelassen. Fahrräder können sowohl oberirdisch an Radabstellanlagen in der Nähe der Gebäudeeingänge geparkt werden als auch unterirdisch in den Tiefgaragen, wo sie witterungsgeschützt stehen. In mehreren Gebäuden stehen außerdem Umkleiden und Duschen zur Verfügung.

Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor werden nach Möglichkeit bereits vor der Schranke in die Tiefgarage von Haus 21-22 oder hinter die Gebäude zur Tiefgarage der Häuser 10-14 geleitet. Auch der verbrennungsmotorenbetriebene Lieferverkehr wird über eingerichtete Lieferzonen hinter den Gebäuden abgewickelt. In Einzelfällen können Lieferungen, die im Innenbereich erfolgen müssen, rechtzeitig beim Campus-Management angemeldet werden.

Ergänzt wird das Verkehrskonzept durch die Ladeinfrastruktur für Elektroautos und verschiedene Sharing-Angebote.

Auf dem EUREF-Campus befinden sich mehr als 180 Lademöglichkeiten für Elektroautos. 53 davon sind öffentlich nutzbar. Dazu zählen auch 12 Tesla-Supercharger (V3) und über 40 Ladepunkte in den öffentlich zugänglichen Tiefgaragen. Für Mieter gibt es häufig auch Lademöglichkeiten für E-Bikes in den Tiefgaragen.

Übrigens: Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ist es nur in Ausnahmefällen gestattet, den Innenbereich des Campus zu befahren. Dieser ist grundsätzlich Fußgängern, Radfahrern und Elektrofahrzeugen vorbehalten.

Der EUREF-Campus wird regelmäßig für die Erprobung von Technologien im Bereich der Elektromobilität genutzt. Die erste Schnellladestation für Elektrobusse und die ersten innerstädtischen V3 Supercharger Deutschlands wurden hier getestet. 2023 erprobte Audi zusammen mit dem Forschungscampus Mobility2Grid den Einsatz von Laderobotern auf dem Gelände.

Das Campus-Gelände gehört zum Geschäftsgebiet von Free2move und von mehreren Sharing-Anbietern für Fahrräder sowie E-Bikes und E-Scooter. Damit stehen neben Bus und Bahn zusätzliche Mobilitätsangebote zur Verfügung.

Zu den weiteren Sharing-Anbietern gehören lime (E-Scooter und E-Bike), TIER (E-Scooter und E-Bike), Bolt (E-Scooter), voi. (E-Scooter und E-Bike) sowie DB Call a Bike (E-Bike).

Der EUREF-Campus bietet gute Möglichkeiten, neue Mobilitäts- und Verkehrslösungen unter realen Bedingungen zu erproben.

So wurden hier schon der E-Roller Emmy, der Laderoboter von AUDI und der E-Scooter von TIER, aber auch On-Demand-Ridepooling von CleverShuttle vor dem Launch getestet.

Auch automatisiertes und autonomes Fahren spielt bei der Entwicklung neuer Mobilitätslösungen eine Rolle. Auf dem EUREF-Campus wurden bereits verschiedene Fahrzeugmodelle und Anwendungen erprobt, darunter die Elektrokleinbusse „Olli“ von Local Motors und „Emily“ von EasyMile sowie eine autonome Kehrmaschine von Enway.

Plan vom EUREF-Campus Berlin mit Schwerpunkt Mobilität

Historie und Gasometer

Auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks Schöneberg ist mit dem EUREF-Campus, der inhaltlich an die Historie des Standortes anknüpft, ein einmaliges Ensemble aus historischen, denkmalgerecht sanierten Gebäuden und energieeffizienten, smarten Neubauten entstanden. Herzstück ist der 80 m hohe Gasometer Schöneberg.

Auf Initiative des Landeskonservators von Berlin wurden 1994 die signifikanten Gebäude des ehemaligen Gaswerks, darunter auch Bauten des berühmten Architekten Alfred Messel, als Gesamtanlage unter Denkmalschutz gestellt.

2007 entdeckten Reinhard Müller, langjährig in der Denkmalpflege tätiger Projektentwickler und Architekt, sowie Johannes Tücks, heutiger Chefarchitekt des EUREF-Campus, das Gelände rund um den Gasometer. In einem wirtschaftlichen Umfeld, das eine Investition in mit Altlasten behaftete Baudenkmale nicht rentabel erscheinen ließ, erwarb die EUREF AG das Areal. Sukzessive wurden mit dem Bezirk Schöneberg auf Grundlage eines denkmalpflegerischen Gutachtens die Ziele der zukünftigen Nutzung in einem Bebauungsplanverfahren mit Bürgerbeteiligung formuliert. Mit der Fertigstellung des Gasometers im Jahr 2024 ist das Ziel des Landeskonservators endgültig erreicht: den dauerhaften Erhalt und die Erlebbarkeit der Denkmale sicherzustellen – auf Basis eines wirtschaftlichen Konzeptes, das einen langfristigen Bestand ermöglicht.

Gasometer Schöneberg – vom Gas-Tank zum Think-Tank

Mit der denkmalgerechten Sanierung des Gasometers und dem Ausbau zum modernen und Büro- und Konferenzzentrum wurde ein Wahrzeichen Berlins wiederbelebt und inhaltlich neu aufgeladen: Rund um den Gasometer Schöneberg beschäftigen sich heute zahlreiche Unternehmen, Institutionen und Start-ups mit der Transformation der Energieversorgung von fossilen Energieträgern zu erneuerbaren Energien.

Auf rund 28.000 m² sind moderne Büroflächen entstanden. Von hier treibt die Deutsche Bahn die Digitalisierung der Schiene voran. Im historischen Stahlmantel und in der oberen Etage ist auf über 2.000 m² Fläche ein einzigartiges Konferenz- und Eventzentrum entstanden. Die Highlights: das Forum mit absenkbarem Amphitheater und die Sky Lounge im 15. Obergeschoss. Auf der angeschlossenen 360°-Dachterrasse, die im Rahmen von Events und Führungen auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist, eröffnet sich aus rund 66 Metern Höhe ein einzigartiger Panorama-Blick über Berlin.

Der Gasometer wurde in seiner ursprünglichen Form erhalten. Der Gebäudeentwurf ist an das historische Bild des Teleskop-Gasbehälters angelehnt. Unter Einsatz von Sandstrahltechnik wurde die Stahlstruktur von 1910 denkmalgerecht saniert und fungiert als Rahmen für den runden Neubau. Die überwiegend gläserne Fassade gewährleistet eine hohe Transparenz des Gebäudes.

Beim Neubau wurde der Effizienzhausstandard „Effizienzgebäude 55“ umgesetzt. Dieser beschreibt die Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäuden und fordert einen Primärenergiebedarf, der 55% des Referenzwertes beträgt. Die Anforderungen lagen zum Zeitpunkt der Planung sogar unter den geltenden gesetzlichen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG). Die Energieversorgung des Gebäudes erfolgt – wie bei weiteren Neubauten auf dem EUREF-Campus – über eine zentral gesteuerte Wärme- und Kälteversorgung unter Einsatz von erneuerbarer Energie und Kraft-Wärme-Kopplung. Die zylinderförmige Gebäudekubatur sorgt für ein günstiges Verhältnis zwischen der Außenhülle und dem beheizten Volumen. Die wärmegedämmte Gebäudehülle mit Dreifachverglasung, die moderne Gebäudetechnik und ein automatisiertes Energielastmanagement tragen dazu bei, den Energiebedarf des Gebäudes zu gering zu halten.

Als die EUREF AG dieses Gelände 2008 übernahm, gab es in der Berliner Politik viele, die nicht an den Erfolg dieses visionären Projekts glaubten. Ich bin froh, dass wir gemeinsam die Chance ergriffen haben, die sich unserer Stadt hier bot. Nicht nur, was die Rolle des EUREF-Campus als Innovationsstandort betrifft, sondern auch in Bezug auf die intelligente Umnutzung und Ergänzung bestehender Baudenkmale, wie sie nun auch wieder am Gasometer sichtbar wird.

Michael Müller (SPD), Ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin
34.000 m²

Fläche

66 m

hohe Skylounge über Berlin

200 Mio.

Euro Investition

2024

eröffnet seit 2024

Campus-Plan

Farbiger Übersichtsplan des Campus